Wie redest du denn mit mir?
Kommunikation findet ständig statt und auch die öffentliche Statistik muss sich nicht nur damit auseinandersetzen, wie sie Daten erhebt, wie sie diese analysiert, interpretiert und dann verbreitet, sondern wie sie die statistischen Informationen und den zu Grunde liegenden Prozess am besten kommuniziert. Anfang Oktober hat das Amt für Statistik Prof. Tractenberg zum Thema «Kommunikation öffentlicher Statistik» begrüsst und mit ihr in zwei Workshops aktuelle Fragestellungen bearbeitet.
2 Workshops zu «Wie wird öffentliche Statistik kommuniziert?»
Im ersten Workshop stand das Thema Revisionen im Mittelpunkt. Ziel war es, aufzuzeigen, wie Nutzerinnen und Nutzern die Funktion und das Ziel von Revisionen verständlich vermittelt werden können. Revisionen werden vorgenommen, wenn bereits veröffentlichte statistische Ergebnisse auf Basis aktuellerer Daten oder verbesserter Methoden präziser und aussagekräftiger berechnet werden können. Gleichzeitig können Revisionen bei Nutzenden den Eindruck erwecken, statistische Ergebnisse seien falsch oder wenig verlässlich. Umso wichtiger ist es zu verdeutlichen, dass Revisionen in der öffentlichen Statistik nur bei Bedarf, nach klar definierten Verfahren und gemäss internationalen Standards durchgeführt werden. Es ist wichtig bei der Kommunikation die Perspektive der Nutzenden zu berücksichtigten, um allfällige Zweifel ausräumen zu können. Gerade beim Thema Revisionen gilt es zu aufzuzeigen, dass statistische Ergebnisse immer mit einem gewissen Mass an Unsicherheit verbunden sind. Kommunikation dieser Unsicherheiten und Anpassungen aufgrund neuer Daten oder weiterentwickelter Methoden sind Teil der Praxis öffentlicher Statistik und als Qualitätsmerkmal zu werten. Eine transparente Kommunikation des Revisionsprozesses ist entscheidend, um das Vertrauen in die veröffentlichten Zahlen und in die öffentliche Statistik insgesamt zu stärken.
Der zweite Workshop widmete sich der Kommunikation von Massnahmen zum Schutz der Datenlieferantinnen und Datenlieferanten. Besonders bei natürlichen Personen ist Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für die öffentliche Statistik. Die Auskunftgebenden müssen darauf vertrauen können, dass ihre Angaben sicher sind und ausschliesslich für statistische Zwecke verwendet werden. Gerade die Kommunikation statistischer Informationen bietet die Möglichkeit, durch Transparenz, klare Verantwortlichkeiten, Rechenschaftspflicht und den Schutz der Privatsphäre den sorgfältigen Umgang mit Daten sichtbar zu machen und damit das Vertrauen in die öffentliche Statistik weiter zu stärken.
Statistik zielt auf ein Gesamtbild und hat kein Interesse an Einzelfällen, aber jeder Einzelfall ist Teil des Ganzen und stärkt die Aussagekraft statistischer Ergebnisse. Öffentliche Statistik dient dem Gemeinwohl, indem sie eine verlässliche Grundlage für faktenbasierte Diskussionen und Entscheidungen schafft. Um diese Rolle wahrnehmen zu können, ist eine verständliche, transparente und adressatengerechte Kommunikation ausschlaggebend.
Die Workshops wurden von Prof. Rochelle Tractenberg von der Georgetown Universität (US) gehalten. Sie ist interdisziplinäre Forschungsmethodikerin, gewähltes Mitglied der American Statistical Association (ASA) und der American Association for the Advancement of Science. Das Amt für Statistik konnte von ihrer Expertise im Bereich Kommunikation und Ethik in der (öffentlichen) Statistik profitieren.