Indikatoren nachhaltige Entwicklung

Das Indikatorensystem für eine nachhaltige Entwicklung zeigt anhand von rund 50 Indikatoren, inwieweit sich Liechtenstein in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt. Die Indikatoren werden jährlich im Juni aktualisiert und können einzeln abgerufen werden.

Indikatoren nachhaltige Entwicklung 2024

Sechs Bereiche positiv bewertet

24.06.2024 – Gemäss der Aktualisierung des Indikatorensystems 2024 verläuft die Entwicklung in sechs der zehn Themenbereiche positiv oder zumindest leicht positiv. Das heisst, die Entwicklung geht in diesen Bereichen in Richtung Nachhaltigkeit. Dies sind die Bereiche Gesundheit, Sozialer Zusammenhalt, Bildung und Kultur, Arbeit, Energie und Klima sowie Natürliche Ressourcen. Der Bereich Mobilität zeigt hingegen eine leicht negative Entwicklung und bewegt sich somit weg von der Nachhaltigkeit. Für die Bereiche Lebensbedingungen, Internationale Zusammenarbeit und Wirtschaft ergibt sich keine wesentliche Veränderung. Die Bewertung in diesen Themenbereichen ist deshalb neutral.

34 Indikatoren positiv bewertet

Im Jahr 2024 konnten von den insgesamt 55 Indikatoren des Indikatorensystems 34 positiv bewertet werden, das heisst, die Entwicklung zeigt bei diesen Indikatoren in Richtung Nachhaltigkeit. 14 Indikatoren wurden negativ bewertet, sie entwickeln sich weg von der Nachhaltigkeit. Sieben Indikatoren wurden neutral bewertet.

Von den derzeit 55 verwendeten Indikatoren im liechtensteinischen Indikatorensystem konnten dieses Jahr 40 Indikatoren aktualisiert werden. Für 15 Indikatoren standen keine neuen Daten zur Verfügung.

Die Lebensbedingungen in einem Land sind entscheidend dafür, ob sich die Einwohner wohlfühlen. Eine nachhaltige Entwicklung soll gewährleisten, dass sowohl jetzige als auch künftige Generationen Lebenszufriedenheit und Glück finden können.

Die Auswertung der Indikatoren im Bereich Lebensbedingungen ergibt eine neutrale Bewertung für die nachhaltige Entwicklung.

  • Der Wanderungssaldo ist weiterhin positiv. Die Getöteten und Verletzten im Strassenverkehr haben im Vergleich zum Bezugsjahr 1998 abgenommen.

  • Für den Indikator Gewaltdelikte lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt daher neutral wie im Vorjahr.

  • Die Bezieher wirtschaftlicher Sozialhilfe haben im Vergleich zu 1995 zugenommen. Im Jahr 2023 bezogen 497 Haushalte wirtschaftliche Sozialhilfe. Für den Indikator Wohnkosten lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb negativ wie im Vorjahr.

Die Gesundheit der Einwohner ist ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden der Bevölkerung und unter anderem relevant für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Die Gesundheit soll geschützt und gefördert werden.

Für die Entwicklung im Bereich Gesundheit ergibt sich eine leicht positive Bewertung.

  • Die Lebenserwartung bei der Geburt und die Lebenserwartung mit 65 Jahren sind im Vergleich zum Bezugsjahr 1997 angestiegen. Die Lebenserwartung bei Geburt lag im Jahr 2022 für Frauen bei 85.3 Jahren und für Männer bei 83.0 Jahren.

  • Die Sterberate (vor dem 65. Lebensjahr) hat sich gegenüber 1999 nicht wesentlich verändert.

  • Die Gesamtfruchtbarkeitsrate hat sich im Vergleich zu 1999 reduziert. Sie betrug 1.47 im Jahr 2022.

Der soziale Zusammenhalt bzw. die Solidarität der Menschen untereinander ist eine wichtige Bedingung für das Funktionieren einer Gesellschaft. Die Rechts- und Chancengleichheit der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft ist hier von besonderer Bedeutung.

Insgesamt ergibt sich für den Bereich Sozialer Zusammenhalt eine leicht positive Bewertung.

  • Für die Indikatoren frühzeitige Schulabgänger nach Staatsangehörigkeit und Frauenanteil im Landtag (inkl. stellvertretende Abgeordnete) lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb positiv.

  • Die Ungleichheit der Erwerbsverteilung hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2021 nicht wesentlich verändert. Die Bewertung ist deshalb neutral. Für das Jahr 2022 liegt das Verhältnis Erwerb der obersten 20% zum Erwerb der untersten 20% bei 11.0.

  • Die Gymnasialquote von In- und Ausländern hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2004 reduziert. Im Jahr 2023 lag das Verhältnis der Gymnasialquoten von Ausländern zu Inländern bei 0.43. Bei einem Wert von eins haben beide Gruppen den gleichen Bildungszugang.

Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern besitzt eine wichtige Bedeutung. Die Armutsbekämpfung und die Unterstützung von Entwicklungsländern ist für Liechtenstein, als wohlhabendes Land, eine moralische Verpflichtung.

Die Entwicklung im Bereich Internationale Zusammenarbeit ist als neutral zu bewerten.

  • Die Zahl der Mitgliedschaften in internationalen Organisationen ist im Vergleich zu 1990 angestiegen.

  • Der Anteil der Ausgaben der öffentlichen Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2013 reduziert und beträgt im Jahr 2021 0.39%. Er liegt damit unter dem von der UNO geforderten und von Liechtenstein angestrebten Prozentsatz von 0.7%.

Der Bildungsstand der Einwohner ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Besonders für Liechtenstein, als Land ohne eigene Rohstoffe, ist die Bildung von zentraler Bedeutung. Der Bildungsstand der Einwohner ist deshalb weiter auszubauen. Die Förderung der kulturellen Vielfalt und der Erhalt des kulturellen Erbes sind ebenfalls eine wichtige Aufgabe.

Insgesamt ist die Entwicklung als positiv zu bewerten.

  • Das Betreuungsverhältnis der Schüler (Schulkinder pro Lehrperson) ist im Vergleich zu 2003 gesunken. Die Anzahl der Vereine hat gegenüber 2004 zugenommen. Für die Indikatoren frühzeitige Schulabgänger, Bevölkerung mit tertiärer Ausbildung und Lesefähigkeit der 15-Jährigen lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt für diese Indikatoren positiv.

  • Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttonationaleinkommen hat im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 abgenommen. Er betrug im Jahr 2021 3.0%.

Den Einwohnern Liechtensteins soll es möglich sein, eine sinnstiftende Arbeit auszuüben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes ist zudem abhängig von gut ausgebildeten Arbeitskräften.

Insgesamt ist die Entwicklung im Bereich Arbeit als positiv zu bewerten.

  • Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern hat sich im Vergleich zu 2005 reduziert. Im Jahr 2022 lag der Anteil des Medianlohns der Frauen bei 85.9% des Medianlohns der Männer. Die Erwerbsquote hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2006 erhöht und lag im Jahr 2022 bei 77.5%. Die Erwerbsquote der älteren Arbeitnehmer hat sich im Vergleich zu 2006 ebenfalls erhöht. Im Jahr 2022 lag sie bei 70.4%. Die Arbeitslosenquote und die Jugendarbeitslosigkeit haben sich gegenüber dem Bezugsjahr reduziert. Die Zahl der gemeldeten Working Poor-Haushalte ist im Vergleich zu 2001 gesunken. Für den Indikator Berufliche Stellung nach Geschlecht lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt für diesen Indikator positiv.

  • Der Pendleranteil bei den Beschäftigten ist im Vergleich zu 1990 angestiegen und betrug im Jahr 2022 56.8%.

Eine leistungsfähige Wirtschaft ist notwendig, um die Grundbedürfnisse der Einwohner langfristig sicherzustellen. In diesem Zusammenhang ist es von zentraler Bedeutung, dass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Die Produktion und der Konsum sollen aber möglichst umweltverträglich sein.

Die Entwicklung im Thema Wirtschaft ist als neutral zu bewerten.

  • Das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 erhöht. Im Jahr 2021 betrug es CHF 165'570 pro Einwohner. Die Abfall-Recyclingquote (Sammelquote) hat sich im Vergleich zu 1995 erhöht. Die Patentanmeldungen haben im Vergleich zu 2004 zugenommen. Die Arbeitsproduktivität hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 erhöht.

  • Die Siedlungsabfälle haben gegenüber 1990 zugenommen. Der Anteil der Einnahmen aus umweltbezogenen Steuern an den Fiskaleinnahmen hat gegenüber 1998 abgenommen und betrug im Jahr 2022 2.7%. Die Fiskalquote hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 erhöht. Sie lag im Jahr 2021 bei 19.8%.

Mobilität ist ein Bedürfnis des Menschen und eine Voraussetzung für eine leistungsfähige Wirtschaft. Allen Einwohnern sollte deshalb der Zugang zu Mobilität offen stehen und der Transport von Gütern sollte möglichst effizient erfolgen. Dabei ist der Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen zu begrenzen und die Umweltbelastung zu minimieren.

Die Entwicklung im Bereich Mobilität ist leicht negativ zu bewerten.

  • Der CO2-Ausstoss von verkauften Neuwagen ist im Vergleich zu 2021 gesunken und betrug im Jahr 2023 durchschnittlich 118 g CO2/km.

  • Die Motorisierungsquote hat im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 zugenommen. Im Jahr 2023 betrug sie 780 Personenwagen pro 1'000 Einwohner. Für den Indikator umweltfreundlicher Personenverkehr lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt für diesen Indikator negativ.

Der Ressourcenverbrauch in Liechtenstein ist im Sinne der nachhaltigen Entwicklung so zu gestalten, dass der Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen unter dem Entwicklungspotential von erneuerbaren liegt. Ausserdem soll die Belastung der Umwelt minimiert und irreversiblen Umweltschäden vorgebeugt werden.

Insgesamt verläuft die Entwicklung im Bereich Energie und Klima leicht positiv.

  • Die Energieintensität und die CO2-Intensität der Volkswirtschaft konnten im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 verringert werden. Der Energieverbrauch pro Einwohner hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 reduziert. Er lag im Jahr 2022 bei 28'953 kWh pro Einwohner.

  • Die Treibhausgasemissionen konnten im Vergleich zu 1990 gesenkt werden, sie liegen aber noch nicht auf dem Zielpfad für 2030. Im Jahr 2022 wurden 164'400 Tonnen CO2-Äquivalente ausgestossen. Der Anteil der einheimischen erneuerbaren Energie am Energieverbrauch konnte zwar seit 1990 erhöht werden, der Zielpfad für 2030 wurde aber noch nicht erreicht. Im Jahr 2022 lag der Anteil bei 13.0%.

Die natürlichen Lebensgrundlagen und die Biodiversität sollen erhalten bleiben. Ausserdem verlangt der Mensch nach einer lebenswerten Natur- und Kulturlandschaft.

Die Entwicklung im Bereich Natürliche Ressourcen ist als leicht positiv zu bewerten.

  • Der Trinkwasserverbrauch hat gegenüber dem Bezugsjahr 1991 abgenommen. Die Stickstoffdioxidbelastung der Luft hat sich im Vergleich zu 2006 reduziert. Die Ozon-Belastung der Luft ist im Vergleich zum Bezugsjahr 2015 gesunken. Die Feinstaub-Konzentration (PM2.5) in der Luft ist gegenüber 2020 reduziert. Für die Indikatoren Siedlungsfläche pro Einwohner, Ökologische Ausgleichsflächen und Ökologische Qualität des Waldes lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb positiv.

  • Für den Indikator Einheimische Arten, welcher die Anzahl der nachgewiesenen einheimischen Arten zeigt, lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb neutral. Auch für den Rote Liste Index, welcher die Gefährdung der einheimischen Arten verdeutlicht, lagen keine neuen Werte vor. Auch hier bleibt die Bewertung deshalb neutral.

  • Bei der Nitratbelastung des Grundwassers zeigt sich im Vergleich zu 1990 eine Zunahme der Jahresmaximalwerte. Für den Indikator Siedlungsfläche lagen keine Werte vor. Die Bewertung bleibt daher negativ.

AMT FÜR STATISTIK

Legende

Gewünschte Entwicklung

  • Zunahme
  • Abnahme
  • Stabilität

Trend

  • Zunahme
  • Abnahme
  • Keine wesentliche Veränderung

Bewertung

  • Positiv (in Richtung Nachhaltigkeit)
  • Negativ (weg von der Nachhaltigkeit)
  • Neutral
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Gewaltdelikte
Getötete und Verletzte im Strassenverkehr
Wohnkosten
Wanderungssaldo
Bezieher wirtschaftlicher Sozialhilfe
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Sterberate
Gesamtfruchtbarkeitsrate
Lebenserwartung bei der Geburt
Lebenserwartung mit 65 Jahren
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Ungleichheit der Erwerbsverteilung
Gymnasialquote von In- und Ausländern
Frühzeitige Schulabgänger
Frauenanteil im Landtag
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Öffentliche Entwicklungshilfe
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Bildungsausgaben
Lesefähigkeit der 15-Jährigen
Frühzeitige Schulabgänger
Bevölkerung mit tertiärer Ausbildung
Betreuungsverhältnis der Schüler
Anzahl Vereine
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern
Berufliche Stellung nach Geschlecht
Erwerbsquote
Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
Arbeitslosenquote
Jugendarbeitslosigkeit
Working Poor
Pendleranteil
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Bruttonationaleinkommen pro Einwohner
Fiskalquote der öffentlichen Haushalte
Umweltbezogene Steuern
Arbeitsproduktivität
Patentanmeldungen
Siedlungsabfälle
Abfall-Recyclingquote
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Motorisierungsquote
Umweltfreundlicher Personenverkehr
CO2-Ausstoss von neuen Personenwagen
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Energieverbrauch
Energieintensität der Volkswirtschaft
Erneuerbare Energie
Treibhausgasemissionen
CO2-Intensität der Volkswirtschaft
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Siedlungsfläche
Siedlungsfläche pro Einwohner
Ökologische Qualität des Waldes
Trinkwasserverbrauch
Ökologische Ausgleichsflächen
Nitratgehalt im Grundwasser
Stickstoffdioxid-Konzentration
Ozon-Konzentration
Feinstaub-Konzentration
Einheimische Arten
Rote Liste Index

Methodik

Zweck dieses Dokuments ist es, den Nutzerinnen und Nutzern Hintergrundinformationen über die angewendete Methodik für die Erstellung der Indikatoren nachhaltige Entwicklung bereitzustellen.

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