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Indikatoren nachhaltige Entwicklung

Das Indikatorensystem für eine nachhaltige Entwicklung zeigt anhand von rund 50 Indikatoren, inwieweit sich Liechtenstein in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt. Die Indikatoren werden jährlich im Juni aktualisiert und können einzeln abgerufen werden.

Indikatoren nachhaltige Entwicklung 2022

Sechs Bereiche positiv bewertet

01.07.2022 – Gemäss der Aktualisierung des Indikatorensystems 2022 verläuft die Entwicklung in sechs der zehn Themenbereiche positiv oder zumindest leicht positiv. Das heisst, die Entwicklung geht in diesen Bereichen in Richtung Nachhaltigkeit. Dies sind die Bereiche Gesundheit, Sozialer Zusammenhalt, Bildung und Kultur, Arbeit, Energie und Klima sowie Natürliche Ressourcen. Der Bereich Mobilität zeigt hingegen eine negative Entwicklung, das heisst er bewegt sich weg von der Nachhaltigkeit. Für die Bereiche Lebensbedingungen, Internationale Zusammenarbeit und Wirtschaft ergibt sich keine wesentliche Veränderung. Die Bewertung in diesen Themenbereichen ist deshalb neutral.

35 Indikatoren positiv bewertet

Im Jahr 2021 konnten von den insgesamt 55 Indikatoren des Indikatorensystems 35 positiv bewertet werden, das heisst die Entwicklung zeigt in Richtung Nachhaltigkeit. 13 Indikatoren wurden negativ bewertet, das heisst sie entwickeln sich weg von der Nachhaltigkeit. Sieben Indikatoren wurden neutral bewertet.

Von den derzeit 55 verwendeten Indikatoren im liechtensteinischen Indikatorensystem konnten dieses Jahr 41 Indikatoren aktualisiert werden. Für 14 Indikatoren standen keine neuen Daten zur Verfügung.

Die Lebensbedingungen in einem Land sind entscheidend dafür, ob sich die Einwohner wohlfühlen. Eine nachhaltige Entwicklung soll gewährleisten, dass sowohl jetzige als auch künftige Generationen Lebenszufriedenheit und Glück finden können.

Die Auswertung der Indikatoren im Bereich Lebensbedingungen ergibt eine neutrale Bewertung für die nachhaltige Entwicklung.

  • Der Wanderungssaldo ist weiterhin positiv. Die Getöteten und Verletzten im Strassenverkehr haben im Vergleich zum Bezugsjahr 1998 abgenommen.

  • Für den Indikator Gewaltdelikte lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt daher neutral wie im Vorjahr.

  • Die Bezieher wirtschaftlicher Sozialhilfe haben im Vergleich zu 1995 zugenommen. Im Jahr 2021 bezogen 552 Haushalte wirtschaftliche Sozialhilfe. Für den Indikator Wohnkosten lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt daher negativ.

Die Gesundheit der Einwohner ist ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden der Bevölkerung und unter anderem relevant für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Die Gesundheit soll geschützt und gefördert werden.

Die Entwicklung im Bereich Gesundheit ergibt eine leicht positive Bewertung.

  • Die Lebenserwartung bei der Geburt und die Lebenserwartung mit 65 Jahren sind im Vergleich zum Bezugsjahr 1997 angestiegen. Die Lebenserwartung bei Geburt lag im Jahr 2020 für Frauen bei 83.4 Jahren und für Männer bei 80.0 Jahren.

  • Die Sterberate (vor dem 65. Lebensjahr) hat sich gegenüber 1999 nicht wesentlich verändert. Die Bewertung ist deshalb neutral.

  • Die Gesamtfruchtbarkeitsrate hat sich im Vergleich zu 1999 reduziert. Sie betrug im Jahr 2020 1.46.

Der soziale Zusammenhalt bzw. die Solidarität der Menschen untereinander ist eine wichtige Bedingung für das Funktionieren einer Gesellschaft. Die Rechts- und Chancengleichheit der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft ist hier von besonderer Bedeutung.

Insgesamt ergibt sich für den Bereich Sozialer Zusammenhalt eine leicht positive Bewertung.

  • Die Gymnasialquote von In- und Ausländern hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2004 erhöht. Im Jahr 2021 lag das Verhältnis der Gymnasialquoten von Ausländern zu Inländern bei 0.62. Bei einem Wert von eins haben beide Gruppen den gleichen Bildungszugang. Für die Indikatoren Frauenanteil im Landtag (inkl. stellvertretende Abgeordnete) und Frühzeitige Schulabgänger nach Staatsangehörigkeit lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb positiv.

  • Die Ungleichheit der Erwerbsverteilung hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2000 erhöht.

Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern besitzt eine wichtige Bedeutung. Die Armutsbekämpfung und die Unterstützung von Entwicklungsländern ist für Liechtenstein, als wohlhabendes Land, eine moralische Verpflichtung.

Die Entwicklung im Bereich Internationale Zusammenarbeit ist als neutral zu bewerten.

  • Die Zahl der Mitgliedschaften in internationalen Organisationen ist im Vergleich zu 1990 angestiegen.

  • Der Anteil der Ausgaben der öffentlichen Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2013 reduziert und beträgt im Jahr 2019 0.41%. Er liegt damit unter dem von der UNO geforderten und von Liechtenstein angestrebten Prozentsatz von 0.7%.

Der Bildungsstand der Einwohner ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. Besonders für Liechtenstein, als Land ohne eigene Rohstoffe, ist die Bildung von zentraler Bedeutung.

Der Bildungsstand der Einwohner ist deshalb weiter auszubauen. Die Förderung der kulturellen Vielfalt und der Erhalt des kulturellen Erbes sind ebenfalls eine wichtige Aufgabe.

Insgesamt ist die Entwicklung als positiv zu bewerten.

  • Der Anteil der Bevölkerung mit tertiärer Ausbildung hat sich im Vergleich zu 1990 erhöht. 2020 lag er bei 30.4%. Das Betreuungsverhältnis der Schüler (Schüler pro Lehrer) ist im Vergleich zu 2003 gesunken. Die Anzahl der Vereine hat gegenüber 2004 zugenommen. Für die Indikatoren Lesefähigkeit der 15-Jährigen sowie Frühzeitige Schulabgänger lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt für diese Indikatoren positiv.

  • Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttonationaleinkommen hat im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 abgenommen. Er betrug im Jahr 2019 3.2%.

Den Einwohnern Liechtensteins soll es möglich sein, eine sinnstiftende Arbeit auszuüben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes ist zudem abhängig von gut ausgebildeten Arbeitskräften.

Insgesamt ist die Entwicklung im Bereich Arbeit als positiv zu bewerten.

  • Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern hat sich im Vergleich zu 2005 reduziert. Im Jahr 2020 lag der Anteil des Medianlohns der Frauen bei 86.0% des Medianlohns der Männer. Die Erwerbsquote hat sich gegenüber dem Bezugsjahr 2006 erhöht und lag im Jahr 2020 bei 75.0%. Die Erwerbsquote der älteren Arbeitnehmer hat sich im Vergleich zu 2006 ebenfalls erhöht. Im Jahr 2020 lag sie bei 68.2%. Die Arbeitslosenquote und die Jugendarbeitslosigkeit haben sich gegenüber dem Bezugsjahr reduziert. Die Zahl der gemeldeten Working Poor-Haushalte ist im Vergleich zu 2001 gesunken. Für den Indikator Berufliche Stellung nach Geschlecht lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt für diese Indikatoren positiv.

  • Der Pendleranteil bei den Beschäftigten steigt seit 1990 an und betrug im Jahr 2020 55.8%.

Eine leistungsfähige Wirtschaft ist notwendig, um die Grundbedürfnisse der Einwohner langfristig sicherzustellen. In diesem Zusammenhang ist es von zentraler Bedeutung, dass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Die Produktion und der Konsum sollen aber möglichst umweltverträglich sein.

Die Entwicklung im Thema Wirtschaft ist als neutral zu bewerten.

  • Das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 erhöht. Im Jahr 2019 betrug es CHF 161'550 pro Einwohner. Die Abfall-Recyclingquote hat sich im Vergleich zu 1995 erhöht. Zu den Patentanmeldungen lagen keine neuen Daten vor. Die Bewertung bleibt daher positiv.

  • Die Arbeitsproduktivität hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 nicht wesentlich verändert.

  • Die Siedlungsabfälle haben gegenüber 1990 zugenommen. Der Anteil der Einnahmen aus umweltbezogenen Steuern an den Fiskaleinnahmen hat gegenüber 1998 abgenommen und betrug im Jahr 2020 2.3%. Die Fiskalquote hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 erhöht. Sie lag im Jahr 2019 bei 21.5%.

Mobilität ist ein Bedürfnis des Menschen und eine Voraussetzung für eine leistungsfähige Wirtschaft. Allen Einwohnern sollte deshalb der Zugang zu Mobilität offen stehen und der Transport von Gütern sollte möglichst effizient erfolgen. Dabei ist der Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen zu begrenzen und die Umweltbelastung zu minimieren.

Die Entwicklung im Bereich Mobilität ist negativ zu bewerten.

  • Der CO2-Ausstoss von verkauften Neuwagen ist zwar im Vergleich zu 2002 gesunken, mit einem Ausstoss von durchschnittlich 106 g CO2/km im Jahr 2021 konnte der Zielwert aber nicht erreicht werden. Die EU gibt als Zielwert für das Jahr 2020 einen Wert von 95 g CO2/km vor.

  • Die Motorisierungsquote hat im Vergleich zum Bezugsjahr 1990 zugenommen. Im Jahr 2021 betrug sie 782 Personenwagen pro 1'000 Einwohner. Für den Indikator Umweltfreundlicher Personenverkehr lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb negativ.

Der Ressourcenverbrauch in Liechtenstein ist im Sinne der nachhaltigen Entwicklung so zu gestalten, dass der Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen unter dem Entwicklungspotential von erneuerbaren liegt. Ausserdem soll die Belastung der Umwelt minimiert und irreversiblen Umweltschäden vorgebeugt werden.

Insgesamt verläuft die Entwicklung im Bereich Energie und Klima positiv.

  • Der Energieverbrauch pro Einwohner hat sich seit dem Jahr 1990 reduziert. Im Jahr 2021 lag er bei 31'400 kWh pro Einwohner. Die Energieintensität und die CO2-Intensität der Volkswirtschaft konnten im Vergleich zum Bezugsjahr 2013 verringert werden. Die Treibhausgasemissionen konnten im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Sie liegen auf dem Zielpfad. Im Jahr 2020 wurden 184'500 Tonnen CO2-Äquivalente ausgestossen.

  • Der Anteil der einheimischen erneuerbaren Energie am Energieverbrauch konnte zwar seit 1990 erhöht werden, der Zielpfad für 2020 wurde aber noch nicht erreicht. Im Jahr 2021 lag der Anteil bei 12.6%. Bis 2020 sollte der Anteil der einheimischen erneuerbaren Energie gemäss Energiestrategie der Regierung auf 20% erhöht worden sein.

Die natürlichen Lebensgrundlagen und die Biodiversität sollen erhalten bleiben. Ausserdem verlangt der Mensch nach einer lebenswerten Natur- und Kulturlandschaft.

Die Entwicklung im Bereich Natürliche Ressourcen ist als positiv zu bewerten.

  • Der Trinkwasserverbrauch hat gegenüber dem Bezugsjahr 1991 abgenommen. Die Stickstoffdioxidbelastung der Luft hat sich im Vergleich zu 1994 reduziert. Die Ozon-Belastung der Luft ist im Vergleich zum Bezugsjahr 2015 gesunken. Ebenfalls hat sich die Feinstaub-Konzentration in der Luft gegenüber 2013 reduziert. Der Anteil der ökologischen Ausgleichsflächen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche hat sich im Vergleich zum Bezugsjahr 2000 erhöht. Bei der Nitratbelastung des Grundwassers zeigt sich im Vergleich zu 1990 eine Abnahme der Jahresmaximalwerte. Für die Indikatoren Siedlungsfläche pro Einwohner und Ökologische Qualität des Waldes lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb positiv.

  • Für den Indikator Einheimische Arten, welcher die Anzahl der nachgewiesenen einheimischen Arten zeigt, lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb neutral. Auch für den Rote Liste Index, welcher die Gefährdung der einheimischen Arten verdeutlicht, lagen keine neuen Werte vor. Auch hier bleibt die Bewertung deshalb neutral.

  • Für den Indikator Siedlungsfläche lagen keine neuen Werte vor. Die Bewertung bleibt deshalb negativ.

AMT FÜR STATISTIK

Legende

Gewünschte Entwicklung

  • Zunahme
  • Abnahme
  • Stabilität

Trend

  • Zunahme
  • Abnahme
  • Keine wesentliche Veränderung

Bewertung

  • Positiv (in Richtung Nachhaltigkeit)
  • Negativ (weg von der Nachhaltigkeit)
  • Neutral
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Gewaltdelikte
Getötete und Verletzte im Strassenverkehr
Wohnkosten
Wanderungssaldo
Bezieher wirtschaftlicher Sozialhilfe
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Sterberate
Gesamtfruchtbarkeitsrate
Lebenserwartung bei der Geburt
Lebenserwartung mit 65 Jahren
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Ungleichheit der Erwerbsverteilung
Gymnasialquote von In- und Ausländern
Frühzeitige Schulabgänger
Frauenanteil im Landtag
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Öffentliche Entwicklungshilfe
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Bildungsausgaben
Lesefähigkeit der 15-Jährigen
Frühzeitige Schulabgänger
Bevölkerung mit tertiärer Ausbildung
Betreuungsverhältnis der Schüler
Anzahl Vereine
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern
Berufliche Stellung nach Geschlecht
Erwerbsquote
Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
Arbeitslosenquote
Jugendarbeitslosigkeit
Working Poor
Pendleranteil
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Bruttonationaleinkommen pro Einwohner
Fiskalquote der öffentlichen Haushalte
Umweltbezogene Steuern
Arbeitsproduktivität
Patentanmeldungen
Siedlungsabfälle
Abfall-Recyclingquote
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Motorisierungsquote
Umweltfreundlicher Personenverkehr
CO2-Ausstoss von neuen Personenwagen
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Energieverbrauch
Energieintensität der Volkswirtschaft
Erneuerbare Energie
Treibhausgasemissionen
CO2-Intensität der Volkswirtschaft
Indikator Gewünschte Entwicklung Trend Bewertung Entwicklung
Siedlungsfläche
Siedlungsfläche pro Einwohner
Ökologische Qualität des Waldes
Trinkwasserverbrauch
Ökologische Ausgleichsflächen
Nitratgehalt im Grundwasser
Stickstoffdioxid-Konzentration
Ozon-Konzentration
Feinstaub-Konzentration
Einheimische Arten
Rote Liste Index

Methodik

Zweck dieses Dokuments ist es, den Nutzerinnen und Nutzern Hintergrundinformationen über die angewendete Methodik für die Erstellung der Indikatoren nachhaltige Entwicklung bereitzustellen.

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